Desertifikation: Gegenmaßnahmen


Desertifikation: Gegenmaßnahmen
Desertifikation: Gegenmaßnahmen
 
Bei der UN-Konferenz in Nairobi 1977, der ersten internationalen Konferenz mit dem zentralen Thema »Desertifikation«, wurde ein Aktionsplan zur Bekämpfung der Desertifikation (englisch: Plan of Action to Combat Desertification) erarbeitet. Darin versuchte erstmals eine große Anzahl von Fachleuten Strategien zu entwickeln, dieser weltweit fortschreitenden Umweltschädigung zu begegnen. Inzwischen liegen mannigfache positive und negative Erfahrungen aus fast allen Trockengebieten darüber vor, ob und wie Desertifikation bekämpft werden kann. Es ist dabei nicht zu übersehen, dass Probleme entstehen, die nicht einfach mit technischen Maßnahmen gegen di Folgen, die zumeist nur Symptome sind, zu lösen sind. Vor allem die anthropogenen Faktoren sind es, die damit nicht beseitigt werden können. Geoökologische Auswirkungen wie Bodenerosion können zwar durch Kontrollmaßnahmen eingeschränkt werden, der Gesamtprozess der Desertifikation aber geht oft weiter, weil die ökologisch nicht angepassten Handlungsweisen der betroffenen Menschen nicht verändert werden konnten. Das Bewusstsein, die eigenen Ressourcen auf Dauer schwer zu schädigen, ist insgesamt nur wenig entwickelt, und zwar sowohl bei den politischen Institutionen als auch bei den agierenden Bauern und Viehhaltern. Hinzu kommt, dass zur Einschränkung oder Beseitigung der Degradierung Kapital erforderlich ist, das zumindest in den meisten Entwicklungsländern von den Betroffenen selbst nicht aufgebracht werden kann. Selbst in den Industrieländern ist die Behebung von Schäden nicht immer einfach; vielfach fehlt bei den Verursachern von Desertifikation der Wille, vorhandenes Kapital für ökologisch verträgliche Maßnahmen einzusetzen und nicht nur in die Produktionssteigerung zu investieren.
 
 Erfassung der Desertifikationsschäden
 
Für das Gelingen aller Bekämpfungsmaßnahmen ist es unerlässlich, die Verbreitung, die Ursachen und Folgen, die durch Degradationsprozesse bereits entstanden sind, zu kennen. Alle zu treffenden Maßnahmen müssen sich zudem nach dem Grad der Schädigung der Kulturlandschaft richten. Erst mit diesen Kenntnissen besteht Aussicht auf einen Erfolg. Auch die sozioökonomische Bewertung der Schäden und ihrer Folgen für die Landnutzung ist wichtig. Notwendige Landnutzungsplanung ist nur bei Kenntnis der genannten Voraussetzungen erfolgreich.
 
In den trockenen Entwicklungsländern liegen zwar Erfahrungen der betroffenen Bevölkerung über Landnutzungsschäden vor, sie können jedoch selten dokumentiert oder quantifiziert werden. Dazu sind »Experten« notwendig, die vorhandenes und abzuschätzendes Datenmaterial auswerten können und — wenn möglich — in Dokumenten, auch Karten, zugänglich machen. Bei der Erarbeitung solcher Dokumente sollten von vornherein einheimische Kenner der Situation einbezogen werden, die später bei der Überwachung geplanter Maßnahmen und deren Durchführung mitwirken können.
 
Dem dargelegten Ursachen-Folgen-Komplex entsprechend werden Daten gesammelt zur klimatischen Situation (vor allem zur Variabilität der Niederschläge und des Trends in den letzten Jahren), zum Wasserhaushalt und zur ökologischen Situation der natürlichen Pflanzenwelt. Hierbei muss der Desertifikationsbezug im Auge behalten werden, Auswirkungen des menschlichen Nutzungssystems müssen graduell erkannt und fixiert werden. Dabei sind auch die Schädigungsgrade anhand ihrer Indikatoren im Gelände zu identifizieren und festzulegen. Solche Analysen der Desertifikationsprozesse sollten zwar wissenschaftlich korrekt, jedoch immer auch praxisbezogen sein, um Gegenmaßnahmen planen zu können.
 
Um einen allgemeinen Überblick über den augenblicklichen Stand der Desertifikationsfolgen zu bekommen, ist die computergestützte (digitale) Auswertung von flächendeckenden Satellitenaufnahmen, ergänzt durch die Analyse von Luftaufnahmen von großem Wert. Die graduelle Abstufung kann jedoch nur mit Geländeaufnahmen gekoppelt sein, um eine brauchbare Klassifikation zu erhalten. In dieser Kombination erhält man einen kartographisch dokumentierten Überblick über die unterschiedlich betroffenen Desertifikationsgebiete. Auch längere Entwicklungen lassen sich damit verfolgen. International wird diese Erfassung als Monitoring System bezeichnet, wobei die erfassten Daten zusätzlich in einem Geographischen Informationssystem (GIS) festgehalten werden können. Länder mit verbreiteter Desertifikation sollten über ein solches System verfügen und eventuell mithilfe der Entwicklungszusammenarbeit errichten. Die so erarbeiteten klimatischen und geoökologischen Dokumentationen sollten sodann unmittelbare Grundlage für Planungsmaßnahmen gegen die fortschreitende Landdegradierung sein, denn isolierte, lokale Gegenmaßnahmen können den länderweiten Desertifikationsprozess nicht stoppen.
 
 Schutzmaßnahmen im natürlichen Ökosystem
 
Aufgabe dieser Darstellung von Maßnahmen gegen die Desertifikation ist es, aus dem inzwischen umfangreichen Katalog von Schutzmaßnahmen die wichtigsten und machbaren auszuwählen und ihre Wirksamkeit zu erläutern. Zielgruppen solcher Maßnahmen sind die Betroffenen in den Desertifikationsgebieten, ein wichtiges Ziel ist dabei der Umweltschutz.
 
Die geoökologisch auffälligsten Schäden im Gelände, sowohl im Ackerland als auch in Weidegebieten, sind die Erosionsschäden. Ihre Bekämpfung in Desertifikationsgebieten muss die Tatsache berücksichtigen, dass infolge der klimabedingten Vegetationsverarmung jede Art von Bodenerosion durch menschliche Tätigkeit in der Landschaft sehr rasch verstärkt werden kann. Erosionskontrolle heißt also, Maßnahmen einzuleiten, um die größere Landdegradierung einzudämmen, damit das natürliche Ökosystem nicht zusammenbricht. Natürliche Erosionsprozesse sind als solche nicht zu beseitigen.
 
 Allgemeine Kontrollmaßnahmen
 
Wichtiger als Erosionsschutzmaßnahmen in Gebieten mit bereits erodierten Arealen im Gelände sind Kontrollmaßnahmen in den Einzugsgebieten des Oberflächenabflusses, damit schon hier die Erosionsenergie eingedämmt wird. Dies kann durch die Errichtung von Erd- oder Steinwällen geschehen, die den Abfluss bei Starkregenfällen bremsen und die Infiltration wieder fördern. Solche Abflusskontrollsysteme existierten in Tunesien schon seit karthagisch-römischer Zeit, seit arabischer Zeit werden sie Tabias genannt. Auf ebenen Flächen im ehemaligen französischen Siedlungsgebiet erfolgt die Erosionskontrolle mithilfe kleiner Erdwälle (Diguette).
 
In Hangbereichen sind Terrassierungen wirksame Maßnahmen gegen verstärkte Erosion. Sie sollten in vernünftigem Verhältnis zu dem zu schützenden Ackerland stehen, denn große Terrassenmauern sind meist unangebracht. Bepflanzte Wälle verstärken den Erosionsschutz gegen Bodenabtragung.
 
Bei größeren Abflusssystemen sind kleine randliche Verbauungen geeignet, flussnahes Ackerland zu schützen, wobei aufwendige Konstruktionen vermieden werden sollten. Stauwerke unterliegen hier oft rascher Auffüllung durch Bodensedimente von den vegetationsfreien Hängen, weshalb diese gleichzeitig durch Bepflanzung geschützt werden müssen. Bei oftmals kurzer Lebensdauer solcher Stauwerke in Desertifikationsgebieten ist der Kapitaleinsatz zu hoch. Hier sind kleine Stauanlagen mit zeitweiser Wassernutzung durch die Bevölkerung wesentlich effektiver. Auch die Abflusssysteme in Tälern sollten in ein umfassendes Abfluss- und Erosionsschutzsystem in den jeweiligen Einzugsgebieten einbezogen werden, was in ariden Entwicklungsländern bisher kaum der Fall ist. Neue geschützte Pflanzungen helfen dabei.
 
Auch auf den Ackerflächen sind agroforstliche Maßnahmen sinnvoll. Baumpflanzungen in Randstreifen des Trockenfeldbaus, also ohne Bewässerung, sind wirksam gegen die Winderosion. Hierfür werden manchmal Nutzbäume, zum Beispiel der Johannisbrotbaum, verwendet. Sie vermindern die Austrocknung des Bodens und fördern durch ihre Schattenwirkung die Erträge des Anbaus. Agroforst wird heute in der Entwicklungshilfe besonders propagiert.
 
Da die Weiderareale in Trockengebieten sehr groß sind, lassen sich dort Kontrollmaßnahmen wesentlich schwieriger durchführen. Schädigungen durch Wasser- und Winderosion sind weit verbreitet. Überweidung ist zumeist die Ursache. Abgesehen von lokalen Schutzmaßnahmen für feuchtere Grünflächen durch Wälle ist im Weideland vor allem Schutz durch Bepflanzen erforderlich. Sträucher und Gräser können Areale der Erosions-Ursprungsgebiete am besten schützen. Doch liegt die wirksamste Erosionskontrolle im Vermeiden der Überweidung. Bei einer ökologisch angepassten Beweidung muss ständig darauf geachtet werden, dass sich die Winderosion in Grenzen hält und nicht zur Auswehung von Bodenschichten (Deflation) und Sandüberwehung führt.
 
 Maßnahmen in Bewässerungsgebieten
 
Bewässerungsgebiete sind besonders wertvoll für die Agrarproduktion in Trockengebieten, jedoch muss die Wasserwirtschaft ständig kontrolliert werden. Die größten Schäden entstehen durch Versalzung der Böden. Dieser Vorgang ist zumeist die Folge eines Wasser-Missmanagements. Be- und Entwässerung sind oft nicht so geregelt, dass die hohe Verdunstung mit kapillar aufsteigendem Bodenwasser eingeschränkt wird und die oft salzhaltigen Schichten ausreichend durchgespült werden können. In desertifizierten Arealen der ariden Zone muss daher bei Bewässerungslandwirtschaft zur Vermeidung von Versalzung des Bodens die Bewässerungskontrolle verbessert werden. Da die meisten größeren Bewässerungsgebiete dem Staat oder Kooperationen gehören, muss auch die Kontrolle von dieser Seite aus erfolgen.
 
 Sozioökonomische Maßnahmen
 
Sozioökonomische Maßnahmen sind in enger Verflechtung mit den geoökologischen Schutzmaßnahmen zu sehen, wenn diese erfolgreich sein sollen. Die betroffene Bevölkerung in den Entwicklungsländern muss zunächst einsehen, dass die Desertifikation ein Prozess der Ressourcenschädigung ist, an dem sie selbst entscheidend beteiligt ist. Damit sie allerdings an den notwendigen Bekämpfungsmaßnahmen unmittelbar mitwirken kann, muss ihr auch der Druck, unter dem sie leidet und handelt, genommen werden. Ohne Hilfe von außen ist dies zumeist nicht möglich.
 
Einige Beispiele seien herausgegriffen. In klimatisch normalen, das heißt ausreichend feuchten Jahren, kann sich die Bevölkerung in den Trockenzonen der Entwicklungsländer zumeist durch Eigenproduktion im Anbau und in der Tierhaltung selbst ernähren und sogar Überschüsse erzielen. Die vielfach aufgegebene Vorratswirtschaft muss jetzt durch den finanziell zu stützenden Bau von Vorratshäusern gefördert werden. Eine verbesserte Verkehrsanbindung durch den Ausbau des Wegenetzes gehört dazu. Die Förderung des kleinen Handwerks kann Nebenverdienste ermöglichen. Beschäftigung auch bei staatlichen Arbeiten, im Forstbereich, in der Wasserwirtschaft, im Verkehrswesen sowie im gesamten Bereich der Erziehung, einschließlich der Erwachsenenbildung, kann die schlechte wirtschaftliche und soziale Situation verbessern helfen. Schon in den Schulen sollte Umwelterziehung ein Teil des Unterrichts sein, damit der Bevölkerung die Bedeutung der Umwelt für die eigenen Lebensbedingungen bewusst wird.
 
Eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Desertifikation sind im sozioökonomischen Bereich wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen während der Dürrezeiten, die klimaabhängig immer wieder auftreten. Statt Katastrophenhilfe sollten Maßnahmen zur Ernährungssicherung schon in den ersten Jahren einer Dürre, die bekanntlich zumeist mehrere Jahre hintereinander andauert, eingesetzt werden. Nur so kann eine fortlaufende Steigerung des Desertifikationsprozesses vermieden werden. Der in solchen Ländern landwirtschaftlich nutzbare Lebensraum muss gesichert werden, vor allem, wenn man die rasch wachsende Bevölkerungszahl in diesen Zonen bedenkt.
 
Von staatlicher Seite muss für Desertifikationsgebiete eine umfassende Landnutzungsplanung erarbeitet und ihre Umsetzung ermöglicht werden. Daran sollten von vornherein auch die betroffenen Bewohner dieser Gebiete beteiligt werden. Das erfordert natürlich eine landesweite wirtschaftspolitische Integration auch der armen Gebiete, was leider in vielen Entwicklungsländern bis heute kaum erfolgt ist. Dabei sind die bestehenden ethnischen und sozialen Unterschiede in vielen solcher Länder zu beachten. Zwangsmaßnahmen oder gar kriegerische Handlungen führen jedenfalls nicht dazu, die ökologisch bereits geschädigten Gebiete zu integrieren.
 
 Desertifikation und Entwicklungszusammenarbeit
 
Welche Rolle spielt nun bei der Bekämpfung der Desertifikation die von den Industrieländern geleistete Entwicklungshilfe? Wenn man die Publikationen der staatlichen Entwicklungsorganisationen betrachtet, die sich mit der Desertifikation und dem Ressourcenschutz in den Trockengebieten befassen, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass auch in der Praxis diesem Umweltproblem in der Dritten Welt mit großem Einsatz entgegen getreten würde. Dem ist aber nicht so.
 
In der seit jeher wirtschaftlich sehr wichtigen Tierhaltung beschränkte sich die Zusammenarbeit in der Entwicklungshilfe vor allem auf veterinärmedizinische Hilfe durch Impfkampagnen. Die Schwierigkeiten, in der nomadischen Weidewirtschaft Entwicklungsprojekte durchzuführen, liegen zumeist in den Wanderungen der mobilen Tierhalter begründet. Mit zunehmender Sesshaftigkeit bieten sich jedoch Projekthilfen an, vor allem in der Wasser- und Futtermittelversorgung und auch in der Vermarktung der Tiere. Hierbei entstehen durch die immer wiederkehrenden Dürrezeiten besondere Engpässe, in denen die Landbevölkerung Hilfe benötigt. Bezüglich der medizinischen Versorgung der Bevölkerung wurde mit der Errichtung und Ausstattung von Sanitärstationen und Krankenhäusern umfangreiche Hilfe geleistet.
 
In nur wenigen Projekten wurde mit Hilfsmaßnahmen die Desertifikationsbekämpfung direkt angegangen. Auch wurden die Vorgaben des »Plan of Action« der UN-Desertifikationskonferenz in Nairobi (1977) selten in wirksame Projektmaßnahmen der betroffenen Länder umgesetzt, wohingegen hierzu zahllose Workshops, Meetings und Symposien durchgeführt wurden, die eine Flut von Publikationen erzeugt haben. Allerdings wurden zum Beispiel in den Sahelländern von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in einem großen Projekt in Burkina Faso Maßnahmen gegen die Landdegradierung im traditionellen Anbau erprobt, und zwar unter Einbeziehung der einheimischen Bevölkerung. In den Steppen Patagoniens erarbeitete ein argentinisch-deutsches Projekt (»Desertifikationsbekämpfung in Patagonien«) umfangreiche Grundlagen für die Desertifikationsbekämpfung im Weideland; die daraus folgenden Maßnahmen sollen jetzt eingeleitet werden.
 
Im Norden Kenias war die Erfassung aller geoökologischen und humanökologischen Daten durch ein Expertenteam der UNESCO viele Jahre die Hauptaufgabe (auch kenianischer Mitarbeiter), ohne dass es danach zu einer praktischen Umsetzung der gewonnen Erkenntnisse gekommen ist. Ein Projekt deutsch-jordanischer Zusammenarbeit im Einzugsgebiet des Flusses Sarka scheiterte nach vielen Jahren der Erprobung von Erosionsschutz im Acker- und Weideland. Worin liegen diese Schwierigkeiten der Praxis?
 
Auch die »Experten« aus den Industrieländern mussten bei der Entwicklungshilfe für die von Desertifikation betroffenen Länder erst Erfahrungen sammeln. Dabei gab es natürlich auch politische Schwierigkeiten, wenn die Rangfolge von Entwicklungsprojekten festzulegen war.
 
 Erfolgsaussichten der Desertifikationsbekämpfung
 
Eine der Hauptschwierigkeiten im Kampf gegen die fortschreitende Desertifikation liegt in der Tatsache, dass zwar einzelne Folgen dieser Landdegradierung angegangen werden können, doch kaum der gesamte Ursachenkomplex. Dieser beruht, wie oben detailliert beschrieben, auf dem Zusammenwirken von klimatischen Gegebenheiten und dem Eingreifen des Menschen in das aride, nur eingeschränkt nutzbare Ökosystem. Die klimatischen Bedingungen sind nicht zu ändern, wohl aber ist eine bessere, ökologisch verträgliche Bewirtschaftung möglich. Diese kann nur dann erfolgreich sein, wenn eine kontrollierte, geregelte Landnutzung erfolgt. Vor allem betreffen diese Regeln die Vermeidung der gebräuchlichen Methoden der Übernutzung sowohl in Anbaugebieten als auch im Weideland. In weiten Bereichen der Trockenzonen sollte einer angepassten Weidewirtschaft der Vorrang vor dem von klimatischen Bedingungen sehr abhängigen Regenfeldbau gegeben werden, der im Grenzgebiet der agronomischen Trockengrenze oft keine Ertragssicherheit garantiert. Dies erfordert auch neue Wege der Nahrungssicherung für die Bevölkerung in solchen Gebieten, wie schon beschrieben wurde. Die Tatsache, dass die Trockengebiete nur eine beschränkte und regional sehr unterschiedliche Tragfähigkeit für Menschen und Tiere besitzen, müsste zudem in das Bewusstsein der dortigen Bevölkerung gelangen. Bereits im Schulunterricht sollten dieses Wissen vermittelt und entsprechende Verhaltensweisen gelehrt werden.
 
Was die geoökologischen Schutzmaßnahmen (Vegetation, Boden, Wasser) betrifft, so sollten diese eher der Vorsorge dienen als der Schadensbeseitigung. Auch dies erfordert Einsicht extern und intern. Bei allen Projekten gegen die Desertifikation bestehen nur Erfolgsaussichten, wenn das Bewusstsein für die Probleme nicht von außen aufgezwungen, sondern die Projekte von der Bevölkerung mitgetragen werden und der Vorteil einer nachhaltigen Entwicklung auch erkannt wird. Auch das weit verbreitete kurzfristige Profitdenken muss berücksichtigt werden, wenn man bestimmte Umweltmaßnahmen erfolgreicher als bisher durchführen möchte. Solche Voraussetzungen müssen sowohl bei staatlichen Planungen und Projekten wie auch in der Entwicklungshilfe bedacht werden.
 
Als Letztes bleibt der Zeitfaktor zu bedenken. Die bisherigen Erfahrungen in der Desertifikationsbekämpfung haben gezeigt, dass rasche Erfolge — wenn überhaupt — nur in Teilbereichen zu erreichen sind. Dies bedeutet auch, dass man einen längeren Zeitraum benötigt, wenn eine anzustrebende nachhaltige Entwicklung erfolgreich sein soll. Allerdings muss eine Entscheidung zwischen der schädigenden Ausbeutung und einer ökologisch angepassten Nutzung des Ressourcenpotenzials schon möglichst früh getroffen werden. Auch über alternative Erwerbsmöglichkeiten für die betroffene Bevölkerung muss nachgedacht werden, damit die Desertifikationsgebiete sich ökologisch regenerieren können — eine wichtige planerische Aufgabe.
 
Prof. Dr. Dr. h.c. Horst G. Mensching
 
Grundlegende Informationen finden Sie unter:
 
Desertifikation: Ursachen, Verbreitung, Folgen
 
 
Mensching, Horst G.: Desertifikation. Ein weltweites Problem der ökologischen Verwüstung in den Trockengebieten der Erde. Darmstadt 1990.
 Mensching, Horst G.: Die Verwüstung der Natur durch den Menschen in historischer Zeit: Das Problem der Desertification, in: Natur und Geschichte, herausgegeben von Hubert Markl. München u. a. 1983.

Universal-Lexikon. 2012.

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